Auf ein Wort

Das Wort – ein Mittel, um etwas zur Sprache zu bringen.
Die Sprache – ein Weg, um etwas zum Ausdruck zu bringen.
Der Ausdruck – eine Form, um etwas ins Lic
ht zu rücken.


Wer möchte, kann sich in meinem »Schreibblog« ein Bild von meinen Worten machen. Und in meinen Bildern lesen, was ich sagen möchte.


An dieser »SchriftStelle« setze ich jetzt einen Punkt. Wenn ich damit auch ein Zeichen gesetzt habe …?! O.k.

Ordnung ist ein halbherziges Leben.
Ich bin mit dem ganzen Herzen dabei und gebe dem Blog eine gewisse übersichtliche Sammlung:

WORTWERT

[NICHT AUS EIGENER FEDER]

– 28. Januar 2023 –

»STORY.ONE«

Meer. Näherung unmöglich

Sonnenschein pur … nur, es scheint bloß so: Dass die Sonne scheint. Aufs Meer. Oder auf mich, am Meer. Auf uns beide. Wolken, dunkel, schwer – sie zürnen in den Wellen, sie zanken sich über meinen Schädel hinweg. Nicht mal der Mond hat Hof gehalten, nächtens. Meine Hinterhofidylle, im Nebel vermauert. Finsternis, Düsternis. Die Ordnung der Sterne – im gischtigfeuchten Dunkel. Und jetzt, am Tag, verwischt die Sonne ihre Spuren.
Der Seele blauer Atem. Zerborsten, am Fels zerschellt. Zersplittert in Zerrissenheit. In der Weite der Wellen verweht das Glück der Nähe.
...

wie es weitergeht, steht hier Wort für Wort
* 27. November 2022

»STORY.ONE«

Mein Dasein im Sosein

So schreiben können / bis sich das Wort vom Vorbild löst /
und der Geist vom Erlebnis der Gedanken
/

So schreiben können / meist gelingt es nicht.
So leben können / bis sich die Gedanken vom Vorbild lösen /
und die Worte vom Geist des Erlebten /

So leben können / manchmal gelingt es ja.


𝗜n der Pose des Rodinschen Denkers sitze ich im Fels und beobachte unbewusst den Sand vor meinen Füßen. Mondlicht fällt aufs Meer. Zaghafte Schatten nehmen vom Wind berührte Wellen in Besitz und zeichnen immer wieder neue Muster. Silhouetten formen sich zu Bildern und verlöschen wieder. Ich empfinde, wie die Zellen in meinem Körper alles beherrschen. Gedankenwellen umspülen das ausgemergelte Riff meines Hirns. So wie das Meer ganz sacht plätschernd die Felsen liebkost. Mein Blick wandert zum Horizont. Alles funkelt und gleißt. Buchstaben leuchten wie Sterne in nächtlicher Stille, gestalten sich zu einer Choreografie der Worte.

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* 10. Oktober 2022

»STORY.ONE«

Mein Sosein im Dasein

Reflexionen finden auf einem Blatt Papier statt – inzwischen auf unzählig vielen, zusammengeknüllt neben meinen Füßen. Die Lust zu schreiben … um den Schwebezustand beflügelnder Geflechte zu verlängern, um Strömungen nicht aufhalten zu wollen – der immerwährende Wunsch, sich von Wogen tragen zu lassen, um jeden einzelnen Moment zu bewahren. Die Last zu schreiben … sie wurde es, in dem Bewusstsein, die Strömungen nicht festhalten zu können.
Meine Begegnungen mit dem Meer, die geglückt sind – frei von Erwartungen, frei von Verlangen, frei vom Bedürftigen –, sie schenkten mir mein geduldiges Gefühl, in der Zeit zu bleiben, nicht über sie hinweg zu schweben. Zu spüren, dass mein Denken, gebremst von Vergangenem, sich öffnet, vom ständigen Wind ins Unendliche verweht.

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* 2. September 2022

»STORY.ONE«

Erinnerungsfüllungen

Erinnerungen an Begegnungen. Erinnerungen, die immer hinterherfolgen, während wir schon einen nächsten Schritt setzen. Die uns beim Innenhalten einholen, die haften bleiben, die sich unverrückbar festsetzen … Erinnerungen an Bilder. Erinnerungen, die uns vorauseilen, wenn sie als Film vor unseren Augen ablaufen.
Auch wenn jedes einzelne Wort zum Bild wird, müssen wir in unseren Erinnerungen auf so vieles verzichten. Weil wir uns begrenzen müssen, um uns nicht zu verlieren. Was uns berührt hat, wenn wir uns berührt haben, werden wir beiseite legen. Um immer wieder neu beginnen zu können.

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* 10. August 2022

»STORY.ONE«

… nimm die Worte, die das Meer in den Sand zeichnet

Breitbeinig verankert … steht er am oberen Rand der Klippen. Ein leicht angefeuchteter salziger Wind treibt ihm Tränen aus den Augenwinkeln. Er schaut in die verschwommen frühmorgendunstige Melange eines gerade erwachten Tageslichts unter der unerschöpflichen Gelassenheit des Himmels über der verschwenderischen Entschlossenheit des Meeres. Vor ihm liegen noch die Reste einer Nachtruhe, eine einfache, eine eintönige, eine einsilbige Stille auf dem noch geduldig auf die Sonne wartenden Meer … Der Leuchtturm wurzelt schweigend in den Felsen, die unter ihm steil ins Meer fallen, sein Lichtstrahl verblasst über dem Meer, verlängert die Zeitenfolge des neuen Tages. Ein nicht mehr auszumachender Rhythmus, dem er sich langsam, ganz langsam anzugleichen beginnt.

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* 7. Juni 2022 *

»STORY.ONE«

Schlimmer geht immer

Keine Frage, die Schwäbische Alb liegt nicht annähernd irgendwo in Indien. Doch wenn das Theater Lindenhof in ihrer Melchinger Dorfgaststätte »Indien« spielt, dann fehlt dem Publikum zunächst jegliche Orientierung. Für die einen gnadenlos schrecklich … schrecklich komisch. Für die anderen begnadet irrsinnig … irrsinnig tragisch.
Man muss sie nicht mögen, die Wirtschaft. Man muss keinen Appetit haben, auf Schnitzel mit Pommes. Man muss sie nicht erleben, die Stammtischparolen nach spätestens dem dritten Bier. Doch mangels einer Alternative an diesem Abend bleibt den Gästen einzig der »Lindenhof«. Das Schicksal des Zufalls bringt Menschen an die Tische, die unterschiedlicher nicht sein können.


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* 22. Mai 2022 *

»STORY.ONE«

»… aber nicht alle Engel können fliegen«

Himmelbergwärts führt Peter Härtling das Publikum auf seiner ›Melchinger Winterreise‹. Schon auf dem ersten Stück der Reise hoch auf die Alb im Oldtimerbus tut es gut, sich warm anzuziehen − wie es das Theater Lindenhof zu ihrer Aufführung ›Stationen für die Erinnerung‹ auch wärmstens empfahl.
Mitte Dezember 1998, die Alb im Schnee, frostige Kälte, ein eisiger Wind treibt Tränen in die Augen. Vielleicht ist es auch der Leierkastenmann, der uns auf unserer Wanderung begleitet? Der mit eiskalter Hand aus seiner Drehorgel Franz Schuberts ›Winterreise‹ herauskurbelt, den vertonten Zyklus der ›Wanderlieder‹ Wilhelm Müllers.

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* 24. April 2022 *

»STORY.ONE«

Auf dem unfruchtbaren Boden einer Festwiese

Wo sonst, wenn nicht auf der Alten Festwiese, gäbe es einen treffenderen Platz für das Tübinger Sommertheater 1996 des Melchinger Theaters Lindenhof »Und die Liebe höret nimmer auf«? Dort, wo von jeher Kirmesmusik schallt, wo Volksfeststimmung Budenzauber vorgaukelt, wo das Glück mit Nieten erkauft wird, wo abgeschossene Rosen die große Liebe verheißen, wo der Duft gebrannter Mandeln den ätzenden Geruch des bedrückenden Alltags aus der Nase kitzelt … also dort, wo uns der Rummelplatz den Rausch der Illusion verspricht.
Das Publikum, lechzend nach Ablenkung vom Alltag, tummelt sich im Spektakel vergeblicher Sehnsüchte.

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* 18. Februar 2022 *

»STORY.ONE«

Ein Abendspaziergang

Dass sich am Ende jenes schwülheißen, von einer unbarmherzig brennenden Sonne schwülstig aufgeheizten Hochsommertages ein gereiztes Gewitter entlud, stand in keinem Drehbuch, in keinem Szenario. In den kopfsteingepflasterten Altstadtgassen wühlt die Hitze, zum Abend hin, noch immer im Fachwerk der Häuser, in den Mauern, über Treppenstufen …
Der Weg zum Abendspaziergang des Tübinger Sommertheaters »… wenn mit dem Neckar herab«, inszeniert vom Melchinger Theater Lindenhof, ist geebnet.

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* 11. Februar 2022 *

»STORY.ONE«

Wie es mir gefällt …

48°21’36“ N, 9°8’48“ O − 732 m ü. NN − exakt in diesem geografischen Koordinatenkreuz liegt Melchingen inmitten der Schwäbischen Alb. Ein Dorf mit einem Dorfladen, einer Metzgerei, einer Gärtnerei, drei Wirtshäusern, drei Windrädern und vielen freundlichen Menschen − nicht einmal 1.000 sind es, die dort leben … entnehme ich der Chronik. Und: Dort in diesem Dorf steht die Keimzelle eines ganz großen Theaters − ohne Superlative zu bemühen − im Theater Lindenhof strahlen im Scheinwerferlicht die Bühnenbretter, die die Welt bedeuten.
>Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frau’n und Männer bloße Spieler<
Das Melchinger Theater Lindenhof macht aus einem Stück Erde eine Bühne. Nimmt das Publikum mit auf ihre Welt der Bühne, macht alle Frauen und Männer zu Mitspielern.

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* 3. Februar 2022 *

»STORY.ONE«

… ’was Goldiges schöpfen

»Ich bin dann mal weg, meinen Claim abstecken!«
»Und tschüss!«, murmelt es von den anwesenden Mitbewohnern unserer WG aus der Tiefe ihrer Kehlen, ihre Hand kurz zu einem abwinkenden Gruß erhoben. Der Weg, wie immer, führt mich ins Café ⟫Goldmarie⟪ – mein zweites Wohnzimmer, mein dritter Arbeitsplatz neben der Uni-Bibliothek, so ich die Wissensdestination noch real brauche.
Zunächst ein flüchtiger Blick durch die etwas milchigtrüben Schaufenster, die jedoch nichts zur Schau stellen. Und doch, ich erkenne sofort ein nicht zu unterschätzendes Einladungsformat: Das ⟫Goldmarie⟪ macht seinem Namen wieder mal alle Ehre – es wirtschaftet eine der durchaus mit diesem Wort zu charakterisieren
den Bedienungen.
… 

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* 25. Januar 2022 *

»STORY.ONE«

Fast wie im richtigen Märchen

Es war einmal …
Märchen, so seine Philosophie, gehören in das Reich der Phantasie. Allenfalls im Land der Träume haben sie noch eine gewisse Berechtigung. Ansonsten sind es für ihn Scheinwelten, Traumtänze, wenn von Hänsel und Gretel, von Schneewittchen und den sieben Zwergen, von Aschenputtel und Co. die Rede ist: Wo bitteschön liegt der tiefere Sinn dieser Erzählungen?
Sie hingegen glaubt an Märchen. Allen Unkenrufen zum Trotz dürfte es ihr der
Froschkönig am meisten angetan haben. Welches junge Mädchen hat nicht schon einmal davon geträumt, von einem Frosch geküsst worden zu sein?

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* 13. Januar 2022 *

»STORY.ONE«

Gescheiterte Versuchsanordnung

Gute Vorsätze hatte er sich in der letzten Nacht, dem Übergang vom alten ins neue Jahr, wie immer schon ganz bewusst keine mehr vorgenommen. Nicht so ganz! Beim Blick aus dem Fenster schwirrten seine Gedanken wie Zisselmänner durch den Kopf. Einem vehementen Kanonenschlag folgte ein Geistesblitz: Wie wär’s denn mit einem Tagebuch? Ein Jahr lang am Ende eines jeden Tages eine kleine Geschichte schreiben – so ’ne Art Reflexion, was der Tag an Auffälligem so geboten hat? (An)gedacht – (an)getan – (an)gefangen … den Titel für das sich zum Ziel gesetzte Diarium hatte er schnell gefunden: ›tabula rasa‹.

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* 1. Januar 2022 *

GEDANKENGANG

QR Code – der Natur abgeschaut

– 1. Januar 2022 –

WORTWÖRTLICH GENOMMEN

… und Versuche, wie einfach doch die deutsche Sprache sein kann

– 1. Dezember 2021 –

»STORY.ONE«

Über Geschmack lässt sich nicht streiten

Zu Weihnachten dieses Jahres sollte dies geflügelte Wort unstrittig ad absurdum geführt werden, wurden ihm eindeutig die Flügel gestutzt: Über Geschmack lässt sich seitdem köstlich, ja ganz vorzüglich streiten …
Von vorne: Es begab sich zur Adventszeit, dass die anlässlich des bedrohlich recht naheliegenden Weihnachtsfestes teilnehmenden Familienmitglieder via Facetime ausgiebig über das nach der obligaten Bescherung genau so obligat anstehende Heiligabendmahl beratschlugen. Traditionell wird zu dieser Stunde im Gegensatz zu den darauffolgenden Weihnachtstagen eine einfache, schlichte sogenannte Hausmannskost gepflegt.

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* 28. Dezember 2021 *

GEDANKEN AUS MEINER »SCHREIBEREI«

Jessas, Maria und Josef …








… jetzt bin ich aber glatt vom Glauben abgekommen – diese Nachricht hat mein bisheriges weihnachtliches Weltbild in vollkommene Erschütterung gebracht.

– 24. Dezember 2021 –

»STORY.ONE«

… geschenkt!

Mal angenommen, es ist so kurz vor Weihnachten. So ganz plötzlich. Oder ganz unerwartet. Jedenfalls so wie es die Jahre zuvor schon war.
Und jetzt mal angenommen, du schiebst wie jedes Jahr so kurz vor Weihnachten Panik, was schenke ich dieses Jahr bloß wieder. Also, dieses Jahr wirds anders − es muss was Ungewöhnliches sein. Oder was Originelles. Oder was Seltenes. Jedenfalls was Besonderes.
Zum Beispiel ein sameländischer Wanderrucksack aus Rentierleder. Oder ein Feinhobel für Trüffel aus Edelstahl. Oder ein englischer Staubwedel aus Ziegenhaar auf lackiertem Buchenholzstiel. 


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* 9. Dezember 2021 *

»STORY.ONE«

Am Anfang steht kein Umkehrschluss

Wenn mans richtig betrachtet … ja, so richtig von allen Seiten im Rundumgeschleudert-dreihundertsechzig-Grad-Modus betrachtet, so sollte er, richtig betrachtet, müsste Lutz umkehren. Doch was heißt schon richtig betrachtet? So gesehen betrachtet ers falsch, so richtig grottenfalsch.
Umkehren geht grad jetzt, bei Lutz‘ grottenfalschem Betrachten, sowieso nicht. Die nächste Autobahnausfahrt lässt noch länger auf sich warten, trotz seines, vorsichtig ausgedrückt, eher dynamischen Fahrstils. Und nur dann und dort könnte Lutz das, was er gerade betrachtet, ob richtig oder falsch, in die Tat umsetzen.

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* 30. November 2021 *

»STORY.ONE«

In Fels gemeißelt

Dass es so gekommen ist, ließ sich aus meinem anfänglichen Lebensentwurf nicht ablesen. Meine Liebe zum Meer und meine Leidenschaft, das Gesamtwerk Ernest Hemingways zu lesen, wurden mit keinem einzigen Wort erwähnt.
Obwohl ich bereits im zarten Kindesalter jährlich mit dem Meer in Berührung kam, blieben mir unendliche große Sandspielplätze und Wasserplanschbecken in wehmütiger Erinnerung zurück. Lesen konnte ich noch nicht, weder Bücher, noch
Spuren im Sand oder Worte, die auf den Wellen schaukelten. Und später dann, in den Jahren meiner Adoleszenz, bereiteten mir das Meer unruhige Tage am Strand und das Lesen schlaflose Nächte unter der Bettdecke.

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* 22. November 2021 *

»STORY.ONE«

Woodstock der Worte

Das Alte Schützenhaus im Stuttgarter Süden … in den Jahren vor und nach der Jahrtausendwende die abgefuckteste, die abgewrackteste Pilgerstätte für die Rock- und Folkrock-Szene. Hier gaben sie sich die Hand, die Bands, die die Bude zum Brodeln brachten. Am 26. Juni 2001, einem stinknormalen Dienstag, gerieten die Mauern des Musentempels ins Wanken … keine angesagte Gruppe, kein Konzert, bei dem die Fans reihenweise in Ohnmacht fielen. Nichts dergleichen – eine Lesung war angekündigt, Literatur, gesprochen, unplugged.

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* 7. November 2021 *

MALLORQUIN IN »STORY.ONE«

~ mar azul mallorquin ~
Geschichten in 100% Blau

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* 16. Oktober – 27. Oktober 2021 *

CIRCA ELBA IN »STORY.ONE«

So stand es am 25. Juni 2021 auf »story.one» geschrieben:

𝘗𝘳𝘰𝘭𝘰𝘨
Meine rechte Gehirnhälfte wirbelte im Saft der Ideen, Kaskaden von Gedankenblitzen stürzten aus den Synapsen … Es geschah zu einer Zeit, in der es für mich kein Halten gab: Meine Appetenzen brauchten Raum zur Entfaltung. Und ich brauchte natürlich Brot und Wasser zum Leben, gab meine linke Gehirnhälfte zu bedenken.
Zwei diametrale Faszinationen verschmolzen zur Symbiose: meine Liebe zu Italien und mein Leben mit Worten. Und da sich dabei noch ein inspirierender Impuls anschmiegte, gabs Chaos – der Vulkan explodierte, Lava ergoss sich übers Papier: »In meinen Bildern erscheint das, was ich immer gesucht habe. Denn es erscheint in ihnen jemand, den man freilich als Figur nicht sieht. Aber er ist in den Bildern, und zwar als einer, der selbst betrachtet. Es erscheint das Staunen der Menschen über das Dasein und Sosein der Dinge.« – Worte aus dem Roman »Das Grau der Karolinen« von Klaus Modick, der bis heute zu einem meiner Lieblingsschriftsteller zählt.
Der Vulkanausbruch nahm Fahrt auf. Die anfangs unreife Idee nahm Gestalt an. Das Projekt – ein Wort-Bild-Kalender – bekam einen Namen: »Verwurzelt mit der Insel«. Fotografierte Poesie mit 12 Bildern in Geschichten, mit 12 Geschichten in Bildern über Elba. Mit Bildern einer Insel, Momentaufnahmen, die den Augenblick erleben lassen. Mit Worten von Elbani, die ihr Bild von der Insel lebendig machen …
Sie waren mit Feuer & Flamme dabei: Ein befreundeter Grafiker, der ein grandioses Layout hinzauberte. Ein kollegialer Lithograf, der hochklassige Repros und Druckvorlagen schmiedete. Sein Bruder, Kunstdrucker, der brillante Andrucke vorlegte. Und ich, der diesem hochkarätigen Team eine Steilvorlage liefern musste.
Ich reiste nach Elba, im Gepäck einen jungfräulichen Moleskin, eine Fotokamera und reichlich Filme. Bewegte mich für Wochen kreuz und quer über die Insel. Begegnete unzähligen Elbani, die zeit ihres Lebens ihre Insel nicht verlassen hatten, weder mit dem Schiff noch schwimmend im Meer. Redete mit ihnen in Bars, am Strand, unter Bäumen, auf Felsen, vor Brunnen und Kirchen, auf ihren Feldern, vor ihrem Haus im Garten, im Hafen in ihren Booten …
Habe sie kaum verstanden – sie in ihrem Dialekt, ich mit meinem rudimentären Italienisch. Und doch fühlte ich, was in ihren Augen glänzte, was in ihren Händen zu lesen war, was aus ihren Gestiken sprach. Sie zeigten mir ihren Lieblingsplatz, ich gab ihnen die Kamera, schaute zu, wie sie ihren schönsten Blickwinkel fanden. Mit vollgeschriebenen Seiten, mit zahllosen Dias und Fotos fuhr ich zurück …
Die Layouts, die ersten Andrucke lagen vor – wie gehabt: allseits Feuer & Flamme. Die nur wenige Tage später zur traurigen Realität wurden: Die Druckerei und mit ihr alle Vorlagen zerstörte ein Brand. Wir waren es am Boden.
𝘌𝘱𝘪𝘭𝘰𝘨
Jüngst fielen mir beim Entstauben die Restbestände in die Hände. Ob mirs gelingt, damit noch Kohlen aus dem Feuer zu holen, um die Erinnerungen daran noch einmal aufflammen zu lassen?!

Das war im Jahre 1990. Und so wurde daraus im Jahre 2021 ein Relaunch:

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* 22. August – 10. Oktober 2021 *

»STORY.ONE«

Zurück auf die Sonnenseite der Insel

> Boeing / Piz-Buin-Bräune / Brüste und Beautiful People am Pool /

Bomben aufs Prospekt-Paradies / das jeden Abend bestattet wird / mit Bingo an der Bar / und der Borniertheit von Beknackten <
Genau 50 Jahre ist es her: meine erste Begegnung mit einer Insel, die sich aufmachte, Millionen von urlaubshungrigen Pauschaltouristen zu einem Reiseziel fernab mitteleuropäischer Breitengrade anzulocken. Mit der äußerst fragwürdigen Maßgabe, die Kultur, die Natur, die über Jahrtausende gewachsene Strukturen der Kanaren gnadenlos zu zerstören. Um Horden von Reisetyrannen ein exotisch angehauchtes Urlaubsgefühl zu vermitteln, das unserem Lebensstil daheim entspricht – mit dem einen Unterschied, unseren Winter zu ihrem Sommer zu machen.

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* 18. August 2021 *

»STORY.ONE«

Lichter der Insel

Zischend taucht der glutrote Sonnenball ganz weit hinten, ganz am Ende des Meeres ins schaukelnde Nass. Die Wellen glitzern wie in Goldfolie verpackt. Über die schwarzen Felsen, poröses Lavagestein, rollt ungestüm die Brandung hinweg, Meerwasser zerfließt in Aushöhlungen, versickert in dunkle Löcher, schwarzglänzende Krebse sonnen sich im letzten Abendrot des Tages. Weiter oben, am Rande eines ausgetrockneten Bachbetts, dessen Wasser irgendwann in grauer Urzeit mäandernd einen Weg durch Felsgestein gefunden hat, fühlen Mimosenzweige an windschiefen Bäumen mit ihren zittrigen Fingern nach dem Wind.

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* 24. Juli 2021 *

»STORY.ONE«

»Ich will das Meer verstehen«*

Die Brandung schäumt bis zu meinen Füßen. Wenn das Meer wieder weicht, strömen Wunder von Farben und Zeichnungen zurück in die Wellen – Bilder, nach denen ich greife, sie verfehle oder festhalte. Versuche zu finden, was die Wunder an Bewegungen versprechen. Gebe mich der wind- und meererfrischenden Sonne hin, sie lädt mich auf mit Leben.
Plötzlich eine Böe, heftige Winde grollen über die friedliche Bucht, treffen auf die Felsen. Treffen mich, wie ein Schlag ins Wasser trifft. Die Sonne schwillt rotglühend an, das Blau des Meeres flutet aus, als wolle es die Welt verschlingen. Kanonartig setzt das Farbenspiel ein. Beim Auftauchen des Blaus erreicht das Gelb-Rot seinen Höhepunkt. Es verklingt, Blau trommelt zu Grün, und alles versickert im Nichts. Ein fernes Dröhnen und Rumpeln noch … die Illusion eines Rufens: das Zerbersten der Erde – und ein lockendes Flüstern im Wind: das ewig bewegte Meer liegt ruhig vor mir.



* (»Quiero comprender la mar«
Ernest Hemingway im Interview
mit dem TV-Reporter Juan Manuel Martínez / Oktober 1954)

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* 15. Juli 2021

GEDANKEN AUS MEINER »SCHREIBEREI«

Das Gendern ist nicht ohne

… ob’s am Ende auch Waldbesichtigende gegeben hat?

… und ob hier hoffentlich keine Bahnfallenden zu verzeichnen waren?

– 7. Juli 2021 –

CIRCA ELBA IN »STORY.ONE«

Ein ewiger Traum der Wiederkehr

Wenn du nichts mehr sehen kannst …, wenn alles vor deinen Augen verschwimmt, dann nimm dir fest vor, etwas sehen zu wollen. Und mit einem Mal bewegt sich der Horizont. Ein akustischer Horizont, weit weg und wieder nahe, direkt vor dir und dann wieder hinter dem Meer – ein Horizont, der deine Gedanken verwischt und wieder klarspült, wie das hörbare Bild des Strandes, mal laut, mal leise.
Vieles hängt davon ab, wie sich der erwachende Tag anfassen lässt.

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* 2. Juli 2021 *

CIRCA ELBA IN »STORY.ONE«

Rückblende f/5,6 · 1/60Sek · ISO 200

Meine rechte Gehirnhälfte wirbelte im Saft der Ideen, Kaskaden von Gedankenblitzen stürzten aus den Synapsen … Es geschah zu einer Zeit, in der es für mich kein Halten gab: Meine Appetenzen brauchten Raum zur Entfaltung. Und ich brauchte natürlich Brot und Wasser zum Leben, gab meine linke Gehirnhälfte zu bedenken.
Zwei diametrale Faszinationen verschmolzen zur Symbiose: meine Liebe zu Italien und mein Leben mit Worten. Und da sich dabei noch ein inspirierender Impuls anschmiegte, gabs Chaos – der Vulkan explodierte, Lava ergoss sich übers Papier.

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* 25. Juni 2021 *