»STORY.ONE«

Ein kleiner runder Tisch, drei Stühle, geduckt
in einer der hinteren Ecken. Ich sitze bei einem Glas Wein. Fasswein, sein eigener, sagt der Wirt. Der Wirt heißt Luciano, es ist seine Trattoria,
es ist sein Wein, es ist seine Welt, es sind seine Gäste.

Vorne links, gleich neben der Tür, sitzen die Alten. Stumm. In Gedanken reden sie immer

das gleiche. Jeden Tag …

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* 5. April 2021 *

»STORY.ONE«

Ein Film aus Fragmenten: Memento – ein Krimi von Christopher Nolan, das Drehbuch vom Bruder Jonathan. Das markante Merkmal sind die beiden Handlungsstränge, bei denen die Szenen geläufig in Schwarz-Weiß und in einer entgegengesetzten chronologischen Reihenfolge in Farbe wechseln. Momentaufnahmen, die Vergangenheiten und Gegenwart einfangen und wieder freilassen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Traumbild und Wirklichkeit …

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* 28. März 2021 *

»STORY.ONE«

Die Götter haben es so eingefädelt: Die Züge rumpeln die letzten Kilometer nur noch in Schrittgeschwindigkeit. Vorbei an abgestumpften Hinterhoffassaden, Mauern und Wänden einer Großstadt. Nicht in Rom.
Schon beim Einrollen ins Innere verleiht die Ewige Stadt ihrer Farbenfreude einen majestätischen Ausdruck – koloritüppigstes Graffiti. Noch während der Fahrt in den pulsierenden Kopfbahnhof Roma Termini versinke ich im Farbenmeer …

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* 27. februar 2021
*

»STORY.ONE«

Ich schaue nur kurz auf, löse meinen Blick und meine Gedanken von dem Buch, das mich gerade fesselt. Eine Momentaufnahme, die ich Richtung Strand und Meer dem schillernden Treiben vor und hinter der Grenzlinie zwischen Sand und Wasser widme …

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* 18. Februar 2021 *

»STORY.ONE«

Die Liebe? Gelingt es ihr, mir treu zu bleiben?
In Momenten, wenn ich in sie eintauchen darf, wenn sie mich durchflutet, wenn sie in mir fließt. In Augenblicken, wenn sie mir einen Moment des Rausches in Erinnerung ruft, um die Nähe des Glücks darin zu spüren. Wenn Himmel und Meer in entfesselnder Umarmung mit mir das Lied der Liebe tanzen. Wenn ich in den Fluten der Jahreszeiten in jeder Faser meines Körpers die berauschende Stille spüre, die die Liebe zum Leben erweckt …

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* 14. februar 2021 *

»STORY.ONE«

Der Abend, schon lange vom wieder schlanker werdenden Mond beleuchtet, kühlt sich langsam ab, der nasse Dunst der Nacht über dem Meer legt sich auf den Sand, überlagert den feuchten Geruch von Asche, von verkohlten Holzresten. Die Zikaden, so scheint es, wollen mir eine Serenade halten …

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* 18. Januar 2021 *

Ein ganz eigener Atem, mit nichts vergleichbar: Theaterluft. Die Zuschauertribüne nachtdunkel, lediglich das schwache Licht, das ein Halbmond abstrahlen würde. Die Bühne leer, reinweiß der Boden, die Wände, die Decke. Einzig die Geräuschkulisse setzt sich in Szene …

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* 5. Februar 2021 *

»STORY.ONE«

Im matten Scheinwerferglanz einer Belle Epoque Hängeleuchte, da sitzen sie, die beiden Damen – so als säßen sie schon immer hier. Wer draußen an dem einladenden Schaufenster vorbeigeht, glaubt an ausgestellte Modepuppen, die zum Einkaufsbummel ins Café einladen – durchgestylt, passend zum Interieur aus einer vergangenen Epoche herübergerettet …

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* 27. januar 2021 *

»STORY.ONE«

Es braucht lediglich eine Herde dahergelaufener Komparsen, und vor meinen Augen zeichnet sich ein choreografisch bizarres Schauspiel ab. Jeder einzelne Komparse führt sich auf, als wäre er der Hauptdarsteller, und doch ist er nur ein winziges Molekül in der Masse der Meute, eine Marionette an den Fäden seines Auftritts. Auf einer Bühne, auf der jeder für sich vor einer austauschbaren Kulisse sein taugenichtiges Spiel in Szene setzt …

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* 12. Januar 2021 *

»STORY.ONE«

An einen Vorsatz, den ich mir weiland jungjährig in einer Silvesternacht vornahm, habe ich mich lange Zeit gehalten. Das Sammeln von irgendwelchen Dingen kam mir nicht in die Tüte. Ein Unding. Dass es irgendwann doch zu einem Ding wurde, war Beruf und Berufung geschuldet: Ich fühlte mich verpflichtet, Worte zu sammeln. Ja, es wurde notwendig, diese Undinge zu sammeln – die Nischen in meinem Kopf drohten, überzuquellen …

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* 2. januar 2021 *

»STORY.ONE«

Die Evolution und ihre Auswirkungen bis heute: Gemeinhin wird immer noch unterstellt, dass der männlichen Spezies die Jäger und Sammler zugeordnet werden. Und damit passe ich wohl nicht ins Schema dieser Weltordnung, sozusagen nicht ins Beuteschema.

Ein Jäger war ich nie, und ein leidenschaftlicher Sammler schon gar nicht. Auch nicht als kleiner Junge – meine Gesammeltes dümpelte dahin …

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* 30. dezember 2020 *