WORTWÖRTLICH GENOMMEN

Oder …?

Irgendwie so ‘was wie ‘ne Fußfessel, das Handy!

– 1. April 2021 –

»STORY.ONE«

Ein Film aus Fragmenten: Memento – ein Krimi von Christopher Nolan, das Drehbuch vom Bruder Jonathan. Das markante Merkmal sind die beiden Handlungsstränge, bei denen die Szenen geläufig in Schwarz-Weiß und in einer entgegengesetzten chronologischen Reihenfolge in Farbe wechseln. Momentaufnahmen, die Vergangenheiten und Gegenwart einfangen und wieder freilassen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Traumbild und Wirklichkeit …

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* 28. März 2021 *

»STORY.ONE«

Die Götter haben es so eingefädelt: Die Züge rumpeln die letzten Kilometer nur noch in Schrittgeschwindigkeit. Vorbei an abgestumpften Hinterhoffassaden, Mauern und Wänden einer Großstadt. Nicht in Rom.
Schon beim Einrollen ins Innere verleiht die Ewige Stadt ihrer Farbenfreude einen majestätischen Ausdruck – koloritüppigstes Graffiti. Noch während der Fahrt in den pulsierenden Kopfbahnhof Roma Termini versinke ich im Farbenmeer …

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* 27. februar 2021
*

»STORY.ONE«

Ich schaue nur kurz auf, löse meinen Blick und meine Gedanken von dem Buch, das mich gerade fesselt. Eine Momentaufnahme, die ich Richtung Strand und Meer dem schillernden Treiben vor und hinter der Grenzlinie zwischen Sand und Wasser widme …

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* 18. Februar 2021 *

»STORY.ONE«

Die Liebe? Gelingt es ihr, mir treu zu bleiben?
In Momenten, wenn ich in sie eintauchen darf, wenn sie mich durchflutet, wenn sie in mir fließt. In Augenblicken, wenn sie mir einen Moment des Rausches in Erinnerung ruft, um die Nähe des Glücks darin zu spüren. Wenn Himmel und Meer in entfesselnder Umarmung mit mir das Lied der Liebe tanzen. Wenn ich in den Fluten der Jahreszeiten in jeder Faser meines Körpers die berauschende Stille spüre, die die Liebe zum Leben erweckt …

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* 14. februar 2021 *

CIRCA ELBA IN »STORY.ONE«

Der Abend, schon lange vom wieder schlanker werdenden Mond beleuchtet, kühlt sich langsam ab, der nasse Dunst der Nacht über dem Meer legt sich auf den Sand, überlagert den feuchten Geruch von Asche, von verkohlten Holzresten. Die Zikaden, so scheint es, wollen mir eine Serenade halten …

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* 18. Januar 2021 *

Ein ganz eigener Atem, mit nichts vergleichbar: Theaterluft. Die Zuschauertribüne nachtdunkel, lediglich das schwache Licht, das ein Halbmond abstrahlen würde. Die Bühne leer, reinweiß der Boden, die Wände, die Decke. Einzig die Geräuschkulisse setzt sich in Szene …

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* 5. Februar 2021 *

»STORY.ONE«

Im matten Scheinwerferglanz einer Belle Epoque Hängeleuchte, da sitzen sie, die beiden Damen – so als säßen sie schon immer hier. Wer draußen an dem einladenden Schaufenster vorbeigeht, glaubt an ausgestellte Modepuppen, die zum Einkaufsbummel ins Café einladen – durchgestylt, passend zum Interieur aus einer vergangenen Epoche herübergerettet …

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* 27. januar 2021 *

»STORY.ONE«

Es braucht lediglich eine Herde dahergelaufener Komparsen, und vor meinen Augen zeichnet sich ein choreografisch bizarres Schauspiel ab. Jeder einzelne Komparse führt sich auf, als wäre er der Hauptdarsteller, und doch ist er nur ein winziges Molekül in der Masse der Meute, eine Marionette an den Fäden seines Auftritts. Auf einer Bühne, auf der jeder für sich vor einer austauschbaren Kulisse sein taugenichtiges Spiel in Szene setzt …

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* 12. Januar 2021 *

»STORY.ONE«

An einen Vorsatz, den ich mir weiland jungjährig in einer Silvesternacht vornahm, habe ich mich lange Zeit gehalten. Das Sammeln von irgendwelchen Dingen kam mir nicht in die Tüte. Ein Unding. Dass es irgendwann doch zu einem Ding wurde, war Beruf und Berufung geschuldet: Ich fühlte mich verpflichtet, Worte zu sammeln. Ja, es wurde notwendig, diese Undinge zu sammeln – die Nischen in meinem Kopf drohten, überzuquellen …

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* 2. januar 2021 *

GEDANKENGANG

… vielleicht auch vieles nicht?

– 31. Dezember 2020 –

»STORY.ONE«

Die Evolution und ihre Auswirkungen bis heute: Gemeinhin wird immer noch unterstellt, dass der männlichen Spezies die Jäger und Sammler zugeordnet werden. Und damit passe ich wohl nicht ins Schema dieser Weltordnung, sozusagen nicht ins Beuteschema.

Ein Jäger war ich nie, und ein leidenschaftlicher Sammler schon gar nicht. Auch nicht als kleiner Junge – meine Gesammeltes dümpelte dahin …

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* 30. dezember 2020 *

»STORY.ONE«

Der Artikel in der Zeitung war kurz und bündig. Die Überschrift lautete: »Fliegender Weihnachtsmann verursacht Großeinsatz der Feuerwehr!«

Es war der 1. Weihnachtstag im Jahr 2014, als mit einbrechender Dunkelheit der diensthabende Polizist im Polizeirevier von Bearnock in den Scottish Highlands einen Notruf entgegennahm. Der Anruf kam aus der rund 4 Meilen entfernten Gegend um Balnain, ein um diese Jahreszeit tief verschneites Weideland für Rinder …

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* 25. Dezember 2020 *

»STORY.ONE«

Der Wind zeigt keine Farbe, er gönnt sich eine kurze Verschnaufpause. Für Momente kommen die Schneeflocken zur Ruhe. Abwärts schweben sie, die einen schneller – die anderen, langsameren, werden überholt; dann gaukeln sie wieder aufgeregt durcheinander durch die Dunkelheit eines frühen Abends, durch die goldgelben Lichtkegel der wenigen Straßenlaternen …

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* 11. Dezember 2020 *

»STORY.ONE«

Es geschah zu einer Zeit, als der Startschuss
zur diesjährigen Tour de France fiel. Die Zeitung schrieb vom zweitwärmsten August aller Zeiten, die App bezeichnete die Wettersingularität als Hundstage.

Pünktlich läutete der Weihnachtsmann, mit seinem Schlitten vom Himmel hoch herkommend, im Supermarkt an der Ecke die Adventszeit ein: 29. August 2020 – in den Regalen der Abteilung Süßwaren strahlten die Leckereien aus der Weihnachtsbäckerei
im vollen Kerzenschein …

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* 6. Dezember 2020 *

»STORY.ONE«

Ein Blick in den Kalender: heute ist der
12. November. Das Wetter ist anderer Ansicht. Kurzärmlig genieße ich die wärmende Mittagssonne, die mich aus einem makellosen Griechischblau anlacht.

Ich sitze auf einer winkligen Steintreppe, die
ein Stück hoch in die Weinberge führt. Die Fugen zwischen den einzelnen Steinen sind zugewachsen. Immer noch grün strecken sich unermüdlich gedeihende Pflänzchen der Sonne entgegen, manche blühen noch …

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* 30. november 2020 *

»STORY.ONE«

Den nach Salzluft riechenden Lockruf hatte ein kalter Wind verweht. Launige Böen, die mich noch hätten erreichen können, brachte eine unerwünschte, um mich herum hastig aufgebaute Schallmauer zum Schweigen.
Das Meer schaukelte in weiter Ferne, unhörbar, unerreichbar; leckte am anschmiegsamen Sand …

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* 19. November 2020 *

Ein beherzter Einkehrschwung konnte es nicht werden. Mein Begehren nach einem Kaffee wird zunächst durch ein geschlossenes Gartentörchen ausgebremst. Zügig weiter gehts dann doch: Geflissentliches Servicepersonal führt mich – wie auch angekündigt – an einen Tisch im idyllischen Gastgarten …

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* 21. November 2020 *

Es ist absolut aussichtslos: Sich der Illusion hinzugeben, dass ein gutbürgerlicher Kaffee nach Italien duftet, dass ein regionaler Käsekuchen nach Pinien und Zitronen schmeckt, dass ein schwäbischer Gastgarten am See nach dolce far niente in mediterraner Ambiance schmeckt …

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* 22. November 2020 *

Der See?! Durchaus, er hat auch seine sehenswerten Seiten. Ich weiß, er hat sich bemüht, ohne Frage … und doch ist es ihm nicht gelungen, dem Meer das Wasser zu reichen. Am Ende meines Tages am See ziehe ich mein Resümee: Es sieht nach genug aus, was ich gesehen habe …

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* 24. November 2020 *

»STORY.ONE«

Hannah mag ihr sonntägliches Ritual; obwohl
es kein Paradies verspricht, ihre Sauna – ein Zweckbau, vernünftig, ordentlich und absolut unerotisch. Keine Voyeure, keine Zurschausteller – Hannah schwitzt in destillierter Reinheit. Sie fühlt sich aufgehoben in der dämpfigen Schweigelust und dem leidenschaftslosen Herumhängen ihrer Gedanken im Mikrokosmos von unbegrenzter Belanglosigkeit …

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* 13. november 2020 *

»STORY.ONE«

Es ist keine Frage des Glücks, wenn wir jeden Tag neuen Bildern begegnen – Bilder, die aus Glücksgefühlen erwachsen, und wenn der Zufall es will, sich zu einer Komposition verdichten. Immer auf eine andere Art öffnet sich der Bühnenvorhang unseres Lebens.

Ich sitze in einem Café. Draußen, auf einem der Stühle, an einem der Tische, die geordnet den Platz, auf dem sie stehen, beleben. Es ist Sonntag, ein goldener Herbsttag, an dem die Sonne jetzt um die Mittagszeit nochmals mit der ganzen Evidenz ihrer Fülle strahlt und wärmt. Vor mir auf dem Tisch steht ein Cappuccino …

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* 7. November 2020 *

»STORY.ONE«

⇀Tacho Einhundertneunzig. Gedanken Null. Wiederbelebungsversuche aus dem Radio. ›Bright Eyes‹, doch die Nacht ist kalt und dunkel. ⇀Fragen, die in der trügerischen Ruhe keinen Sinn ergeben. Klar, sie bleiben unbeantwortet. Wieso ausgerechnet in dieser Sekunde? Er muss doch sehen, der vor mir, der gerade ausschert, dass ich an ihm vorbeiwill. Zu spät zum Fluchen. ⇀Das Drehen ist endlos. Eine Spirale, die sich zu einem Punkt fokussiert …

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* 2. november 2020 *