»STORY.ONE«

Ich weiß, ich weiß, mit diesem Wortspiel im Titel ist zu erwarten, dass eine Geschichte mit dieser Überschrift bereits vergeben ist, womöglich gar veröffentlicht, geschützt oder urheberrechtlich eingetragen ist.

Also muss ich mir etwas anderes einfallen lassen! Wenn ich bei diesen beiden Worten wortspielerisch bleiben möchte, dann heißt das, ich kann sie vielleicht vertauschen. »Meer mehr« so geschrieben, ergibt keinen Sinn.

wie es weitergeht, steht hier Wort für Wort

* 5. september 2020 *

»STORY.ONE«

Da steht sie hinter der Theke, wie eh und je, Signora Batelli, Capo della sua Panetteria, während ihr Mann Guiseppe hinten im Panificio vor und zwischen den Holzöfen schwitzt und die Brotlaibe mit seiner langen Holzschaufel dampfend heiß wieder ins Licht der Öffentlichkeit holt. Ein unvergleichlicher Duft, der durch die ganze Bäckerei, Schicht für Schicht ineinanderwabernd, seine Bahnen zieht und jede Ecke füllt.

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* 30. August 2020 *

»STORY.ONE«

»Und?!«

Über zehn Minuten hatte der Typ vor mir
Zeit, darüber nachzudenken, was er ihr hätte sagen können. Ihm fiel nichts ein, außer dem einen Wort, bestehend aus den drei Buchstaben:
U n d . Mit einem provokativen Frage- und einem sanft fordernden Ausrufezeichen dahinter, so wie er das Wort aussprach.

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* 19. august 2020 *

»STORY.ONE«

Die Inszenierung der kleinen Bucht findet täglich statt. Immer zu wechselnden Zeiten, immer in anderer Besetzung. Die Spielstätte allerdings ist immer die gleiche, es ist der Strand von Cannelle, eine der schönsten Bühnen auf Gíglio.

Komme ich frühmorgens, tanzen die seichten Wellen noch für sich auf dem feinsandigen, hellen Boden.

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* 10. August 2020 *

»STORY.ONE«

Ein drahtiger, gedrungener Mann, Mitte Vierzig, muskulöse Oberarme, die aus einem kurzärmligen Hemd wie Knackwürste herausragten – mein erstes Bild von ihm, als er am zweiten Tag nach den Ferien das Klassenzimmer mit energischen Schritten betrat. Mit einem schnellen Griff nach hinten bekam die Tür einen kräftigen Schlag und knallte kurz danach unüberhörbar ins Schloss. Beim Zuknall stand er bereits seitlich neben dem Pult und warf mit einer lässigen Bewegung seine leicht abgewetzte Aktenmappe auf die Oberfläche des Lehrertisches.

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* 2. august 2020 *

»STORY.ONE«

Irgendwann, spät im Dunkel der Nacht, beruhigt sich langsam die Landschaft des Lebens. Draußen, hinter den Vorhängen, verschlucken Wolkenfetzen das fahle Licht des Mondes. Für eine Weile vergrabe ich den Kopf in meine Hände. In die Finger der Hände, die über Stunden zuvor die alte Olivetti auf ihren abgenutzten Tasten gequält haben.

Reflexionen geschehen auf einem Blatt Papier. Auf vielen Blättern inzwischen. Ganz allmählich verlasse ich meinen Horizont.

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* 28. juli 2020 *

»STORY.ONE«

Angefangen hat es mit einem Besuch im Musée d’Orsay. Besser gesagt, mit einer Kunstpostkarte, die sie sich am Ende ihres Rundganges in der Buchhandlung des Museums selbst geschenkt hat.

Doch um ehrlich zu bleiben, war sie in diesem Augenblick davon überzeugt, dass es mit dem Besitz dieser Karte auch wieder aufhören wird. Dass ihre kleine Episode dann doch eine längere Geschichte werden sollte, konnte sie sich just in dieser Minute wirklich nicht ausmalen.

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* 24. juli 2020 *

CIRCA ELBA IN »STORY.ONE«

Der Aufstieg zur kleinen Kirche über San Cerbone ist frühmorgens schon anstrengend. Ich laufe seit mehr als einer Stunde auf dem steinigen, ausgewaschenen Pfad die seit Jahrzehnten verkommenen Stufen einhundertundzwanzig Meter nach oben.
Jeden Sonntag, wenn die Sonne hinter dem Monte Castello aufgeht und die ersten Strahlen die verwitterte Holztüre zur Sakristei in helles Licht taucht, läutet Padre Benedetto zum Gebet.

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* 20. juli 2020 *

»STORY.ONE«

Manchmal ist die kleine Bucht vor mir ganz still. Diese kleine Bucht, die ich schon seit Jahren immer wieder regelmäßig besuche, immer dann, wenn ich nichts Besonderes suche. Nur die Stille, nur die Ruhe, nur die Sehnsucht nach etwas, von dem ich nicht weiß, wie sie aussieht. Diese Momente, die mich hier erreichen, konnte ich in all den Jahren nie beschreiben, nie erklären, nie irgendwie zum Ausdruck bringen.

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* 16. juli 2020 *

»STORY.ONE«

Mit einer eigenartigen Mischung aus trauriger Ohnmacht und leichtfertigem Vertrauen packte er seinen Koffer und fuhr in Richtung Süden. Das war vor vierzehn Jahren, zweiundfünfzig war er damals. Marta sollte Robert Faust retten. Der kleine Ort Marta, ohne h, am Ufer des Lago di Bolsena nördlich von Rom.

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* 5. Juli 2020 *

»STORY.ONE«

Nein, ich tu’s nicht.

Es ist doch nur ein Spiel – nicht das ganze Leben, doch ohne Spiel wär’s nur das halbe Leben. Machen wir ein Spiel daraus, aus unserem Leben. Nun gehört es zu einem geregelten Leben, dass wir nach Regeln spielen. Ohne Spielregeln gäb’s sehr viel Ärger … und das wollen wir ja vermeiden.

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* 1. JUli 2020 *

»STORY.ONE«

Die Zeitung hier schreibt auch nichts Lesenswerteres als anderswo. Der Kaffee schmeckt vielleicht ein wenig mehr nach Gelassenheit als daheim. Hier drin, in einem dieser nostalgisch leicht angestaubten Cafés, dämpft Pianomusik den eisigen Wind, der die Schneeflocken unruhig durch die Gassen jagt.

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* 22. juni 2020 *

»STORY.ONE«

»story.one« – eine Plattform, die Leserinnen und Autorinnen verbindet. Auf »story.one« hat jeder die Möglichkeit, kurze Stories zu schreiben und zu lesen, sich inspirieren zu lassen, sich mit anderen auszutauschen und sein eigenes Buch mit ISBN zu kreieren. Jeder hat die Freiheit, seine Geschichten in 500 bis 2.500 Zeichen nach seinem Gusto zu gestalten.
Die Welt braucht Inspiration: »story.one« – das sind Menschen & ihre Geschichten dazu.

Und dies ist mein erster Wurf:

… ups, unversehens fällt ein Engel aus einem Stück heiteren hellblauen Himmel, gerade eben zwischen zwei Gedankenmomenten. Er, der Engel, obwohl es gemeinhin ein weibliches Wesen ist, plumpst etwas unsanft direkt auf das nur leicht dunklere Blau der Tischoberfläche vor mir, auf den Tisch, an dem ich sitze. Ich bin mir fast sicher, er hat sich mit seinem Vomhimmelpurzeln einfach nur vertan, so überrascht, wie er mich anschaut.

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* 22. Juni 2020 *